Eine kleine Adventsgeschichte von Christine Sinnwell-Backes


Licht sein

 

Abend war es und dunkel. Das Kind lag in seinem Bett. Über es gebeugt stand seine Mutter, bereit für den Gute-Nacht-Kuss. "Mama, ich will dich noch etwas fragen bevor du gehst." Die Mutter seufzte. Lang war der Tag gewesen und anstrengend und sie sehnte sich danach nun endlich den Feierabend einzuleiten. "Was gibt es denn mein Schatz? "Licht. Also ich meine Licht sein, wie geht denn das?" Fragte das Kind. Nachdenklich betrachtete die Mutter ihr Kind. "Was meinst du denn mit Licht zu sein?" Im Bett richtete sich das Kind wieder auf. "In der Schule hat die Lehrerin heute zu uns gesagt, wir sollen Lichter sein, die die Welt erhellen. Und seitdem überlege ich, wie ich das machen soll." Lächelnd schaute die Mutter ihr Kind an. "Du bist doch mein Licht, seit du diese Welt betreten hast. Vom ersten Moment an hast du meine Welt erhellt." Skeptisch schaute die Kleine seine Mutter an und setzte zur Antwort an. "Aber seit heute Morgen denke ich darüber nach. Wenn es Licht gibt, gibt es ja auch Dunkelheit und irgendwie habe ich den Eindruck, dass es viel mehr Dunkel auf der Welt gibt, wie Licht." Abwartend saß die Mutter an der Bettkante. "Es gibt so viel Krieg und Traurigkeit auf der Welt, oder die Terroristen. Der Umwelt geht es schlecht und viele Menschen sind arm und hungern. So viele Krankheiten gibt es und so viel Leid. Und weißt du - wenn wir Licht sein sollen und die Welt heller machen sollen, dann reicht es nicht, morgens nur den Tisch zu decken oder die Nachbarn freundlich zu grüßen." Die Mutter zögerte mit ihrer Antwort. Das Kind hatte ja Recht. Es gab so viel Dunkelheit auf der Welt und an manchen Tagen hatte auch sie den Eindruck, dass zu viele Sorgen auf ihren Schultern lasteten. "Ich komme gleich wieder" sagte sie und verließ kurz das Zimmer. Als sie wieder kam, hatte sie ein kleines Teelicht dabei und eine Streichholzschachtel. "Mach dein Nachtlicht mal aus." forderte sie das Kind auf und es gehorchte. Rabenschwarz war das Zimmer nun. "Mama, es ist so dunkel. Ich sehe nichts." Die Mutter zündete die Kerze an und hielt sie zwischen sich und das Kind. "Schau, das Licht der Kerze ist winzig klein und die Dunkelheit in diesem Zimmer ist so groß. Und doch kann diese ganze große Dunkelheit nichts tun, gegen dieses kleine winzige Licht. Seine zarte Flamme reicht, um die Dunkelheit zu durchdringen." Das Kind verstand. "So ist es, wenn ihr Licht sein sollt. Ihr könnt die große Dunkelheit der Welt nicht alleine verdrängen. Aber ihr könnt überall dort wo ihr seid, kleine Lichter sein, die mit kleinen Taten dafür sorgen, dass die Dunkelheit durchdrungen wird." Das Kind strahlte. "Weißt du was Mama, während wir der Kerze beim leuchten zuschauen, überlegen wir uns, was wir morgen tun können, um Licht zu sein und die Welt ein wenig heller zu machen." Die Mutter lächelte. "Das machen wir. Und weißt du was, morgen nehmen wir uns drei Kerzen und verschenken sie weiter an andere Menschen, die ein wenig Licht in ihrem Leben gebrauchen können. Und wir erzählen ihnen von dem kleinen Licht, das die Dunkelheit verdrängen kann. Und stell dir vor, vielleicht gibt einer davon sein Licht auch wieder weiter, und der nächste wieder..."Aufgeregt beendete das Kind den Gedanken: "Dann hätten wir gemeinsam mit unserem kleinen Licht die Dunkelheit an vielen Orten verdrängt." "So machen wir das," antwortete die Mutter "und jetzt schlaf und träum schön." Gerade als sie die Tür des Kinderzimmers schließen wollte, hörte sie ihr Kind murmeln: "Und mit jeder Kerze die ich verschenke, werde ich einem Menschen ein lächeln und Freude schenken".   :)

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Sei du selbst die Veränderung, die du dir wünscht für diese Welt!  :)

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Ein wunderschönes Weihnachtsmärchen aus Bayern von Alfons Schweiggert

 

Die vierte Kerze

 

In einer kleinen Dorfkirche haben im Advent auf dem Adventskranz einmal vier Kerzen gebrannt. Es war mucksmäuschenstill in der Kirche, so still, dass man hören konnte, wie sich die Kerzen miteinander unterhielten.

Die erste Kerze flackerte und flüsterte: " Ich heiße Frieden. Mein Licht leuchtet, aber die Menschen halten ja keinen Frieden, sie wollen micht nicht." Darauf wurde das Licht dieser Kerze immer kleiner und verlosch schließlich ganz.

Die zweite Kerze knisterte: "Mein Name ist Glaube, aber ich bin überflüssig. Die Menschen glauben nicht mehr an das Gute und wollen auch von Gott nichts mehr wissen. Es hat keinen Sinn mehr, dass ich brenne." Ein Luftzug wehte durch den Raum, und die Kerze war aus.

Traurig meldete sich nun die dritte Kerze zu Wort. "Ich heiße Liebe. Ich hab keine Kraft mehr zu brennen. Die Menschen stellen mich auf die Seite. Sie sehen nur sich selbst und nicht die anderen, für die sie da sein sollten." Und mit einem letzten Aufflackern war auch diese Flamme erloschen.

Eine alte Frau, die alleine in der Kirche saß, bemerkte, dass es auf einmal ganz dunkel im Raum geworden war. Sie schaute auf und sah die erloschenen Kerzen und da traten ihr Tränen in die Augen, so dass sie die vierte Kerze nicht bemerkte, deren winziges Licht noch glimmte. "Hab keine Angst", sagte die vierte Kerze mit sanfter Stimme. "Solange ich brenne, können wir auch die anderen Kerzen wieder anzünden. Ich heiße Hoffnung."

Da wischte sich die alte Frau die Tränen aus den Augen. Ja, dachte sie, solange diese letzte Kerze brannte, konnten die anderen Kerzen zu jeder Zeit wieder angezündet werden, auch wenn sie immer wieder aufs Neue erloschen. "Aber vielleicht", flüsterte die alte Frau, "bleibt auch ihr anderen doch noch irgendwann einmal für immer leuchtend hell."

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